Warum du „alles gut“ sagst, obwohl es nicht stimmt
Shownotes
• Warum wir Dinge beschönigen (und wieso das erstmal logisch wirkt)
• Die typischen inneren Sätze: „Ich sag lieber nichts“, „so schlimm war’s nicht“, „bringt eh nichts“
• Was wirklich dahintersteckt: Angst vor Streit, Ablehnung, Verlassenwerden, falsch sein, egoistisch wirken, andere enttäuschen
• Der Preis: innerer Stress, Distanz in Beziehungen, Missverständnisse, irgendwann knallt’s
• Der Perspektivwechsel: Wünsche aussprechen kann Verbindung stärken, nicht zerstören
• Übung für die Woche: Beobachte, wann du nicht ganz ehrlich bist (ohne dich fertigzumachen)
• Nächster Schritt: Erst wahrnehmen, dann irgendwann aussprechen, wenn du bereit bist
• Wenn dich das Thema trifft und du Unterstützung willst: benjamingoebel.de
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00:00:02: Hi und herzlich willkommen zu dieser ersten echten Folge zum neuen Podcast mit mir.
00:00:08: Ich bin Benjamin Göbel und ich möchte in diesem Podcast über ein für mich sehr, sehr
00:00:16: wichtiges Thema sprechen.
00:00:18: Heute in dieser Folge geht es im Grundsatz um das Zentrale, worum es als Oberbegriff
00:00:26: über alles hier geht und zum Anfang noch ein kurzer Hinweis.
00:00:32: Dieser Podcast ist nicht nur als Audio verfügbar,
00:00:36: sondern auch mit Bild, also wo du mich direkt sehen kannst auf YouTube
00:00:41: und hoffentlich bald auch auf Spotify und Apple Podcast.
00:00:46: Da bin ich noch dran, aber auf YouTube auf jeden Fall jetzt schon
00:00:51: mit Bild zu sehen,
00:00:54: Weil mir das Thema so wichtig ist, habe ich mir ein paar Stichpunkte gemacht.
00:00:59: Deshalb, wenn du den Podcast mit Video hörst, siehst du mir nach, wenn ich immer ab und
00:01:05: zu mal ein bisschen nach unten schiele, damit ich auch wirklich nichts vergesse.
00:01:12: Worum geht's?
00:01:14: Kennst du das auch, dass du in alltäglichen Situationen, wie zum Beispiel beim Essen gehen
00:01:23: oder in intensiveren Beziehungen zu anderen Menschen, zum Beispiel in einer Partnerschaft
00:01:28: oder im beruflichen Kontext, dass du nicht die volle Wahrheit aussprichst, dass du nicht
00:01:38: das sagst, was du eigentlich denkst und was du gerne sagen würdest.
00:01:45: Wenn du gefragt wirst, wie es dir geht, sagst du "Alles gut, mir geht's super", obwohl
00:01:50: das eigentlich gar nicht so ist. Oder wenn du nicht nur gefragt wirst, sondern auch wenn du in
00:02:01: einer partnerschaftlichen Situation bist und du traust dich nicht, das wirklich auszusprechen,
00:02:09: was du gerade denkst. Und warum das Thema so wichtig ist,
00:02:19: es geht ja darum, dass wir
00:02:25: das aussprechen, was wir wirklich aussprechen sollten und wollten, unsere
00:02:33: eigene Wahrheit. Ich hatte eben schon die Lebensbereiche
00:02:36: aufgezählt. In erster Linie Beziehungen, Partnerschaft, Berufliches, Familie,
00:02:43: freundschaftliche Beziehungen. Und wir haben ja alle so innerlich ein gewisses
00:02:52: Harmoniebedürfnis und ein Bedürfnis nach Nähe, nach Sicherheit. Und dadurch, dass
00:03:01: wir nicht gelernt haben immer unsere Wahrheit auszusprechen, fassen wir diese
00:03:11: Dinge halt in uns hinein. Und Menschen beschönigen oft halt auch Dinge.
00:03:23: Zum Beispiel die Situation im Restaurant.
00:03:28: Hat es Ihnen gut geschmeckt?
00:03:30: Ja, war super.
00:03:32: Und so wie der Kellner weg ist, denkst du dir,
00:03:35: ah, das war ja eigentlich nicht wirklich lecker und
00:03:39: das Essen war kalt und das hier war schon ein bisschen verbrannt.
00:03:44: Aber wir sagen, nee, es war fantastisch.
00:03:50: Und dann sind das halt so innerliche Sätze, wie "Ich sag jetzt lieber nichts" oder "So schlimm war es ja eigentlich nichts"
00:04:04: oder vielleicht auch "Es bringt ja eh nichts, ob ich das jetzt nur sage oder nicht".
00:04:12: Oftmals hängen auch noch andere bei intensiveren Beziehungen Ängste dahinter.
00:04:20: Zum Beispiel "Ich möchte keinen Streit", da ist wieder so unser Harmoniebedürfnis
00:04:24: mit dabei.
00:04:26: Oder noch viel schwerwiegender vielleicht "Ich möchte nicht verlassen werden".
00:04:29: Wenn ich das oder jenes jetzt ausspreche, habe ich Angst verlassen zu werden.
00:04:34: Und der dritte Punkt ist, dass ich auch niemanden verletzen möchte.
00:04:41: Vielleicht kennst du das, dass du innerlich schon diese Situation hattest.
00:04:49: Warum tun wir das?
00:04:51: Das ist total spannend.
00:04:52: Ich sagte ja schon, dass wir das nicht gelernt haben.
00:04:56: Und auf der anderen Seite haben wir es ja doch gelernt.
00:04:59: Denn wir haben ja im Laufe unserer Entwicklung gelernt, genau so zu handeln.
00:05:06: Und haben ja gelernt, dass wenn ich so handle, dann läuft es am besten, dann
00:05:15: passiert kein Streit, dann werde ich nicht verlassen.
00:05:21: Und das ist aber zu kurz gedacht, denn wenn, oder wir kommen gleich später drauf, es
00:05:28: können auch andere Hintergründe sein, warum wir nicht unsere Wahrheit aussprechen.
00:05:33: Zum Beispiel auch die Angst falsch zu sein.
00:05:38: Wenn ich jetzt was anderes sage als der mein Gegenüber hören möchte, dann habe ich die
00:05:48: Angst, dass ich vielleicht was Falsches gemacht habe.
00:05:50: Oder wenn ich meine Wünsche ausspreche, habe ich die Angst davor, dass ich egoistisch rüberkommen
00:05:55: könnte.
00:05:56: Was soll der andere jetzt denken?
00:05:58: Ich denke immer nur an mich.
00:06:00: Oder auch die Angst andere zu enttäuschen.
00:06:03: Wenn mich jemand fragt, ob ich mich mit ihm treffen möchte,
00:06:06: sage ich eher ja, weil mein System gelernt hat.
00:06:12: Dadurch enttäusche ich den anderen nicht, obwohl ich vielleicht gar keine Lust habe,
00:06:15: darauf, mich mit demjenigen zu treffen.
00:06:17: Um ihn halt nicht zu enttäuschen, sage ich ja und halte mich dann daran.
00:06:25: Das heißt also, wir tun diese Dinge nicht, weil wir böse sind,
00:06:32: sondern weil wir uns oder andere davor schützen wollen vor den Konsequenzen.
00:06:42: Und diese Prozesse, die da in uns ablaufen, warum wir so handeln,
00:06:51: die schützen uns im ersten Moment auf kurze Sicht.
00:06:55: Und auf lange Sicht erzeugen sie einfach nur Probleme.
00:07:00: Und wenn wir es niemals aussprechen, dann sind die Probleme wahrscheinlich nur innerlich.
00:07:08: Und das zerreißt uns irgendwann.
00:07:11: Und in diesen Beziehungen entsteht auch dann Distanzen oder es können auch Spannungen
00:07:17: entstehen, weil ich innerlich so wütend bin auf den anderen, weil er einfach nicht das
00:07:24: macht, was ich mir wünsche oder weil er Sachen macht, die ich mir nicht wünsche.
00:07:29: Es entstehen dadurch Missverständnisse und diese innerlich geladenen Emotionen, die gehen
00:07:39: dann irgendwann schlagartig raus.
00:07:41: Irgendwann müssen die dann einfach raus.
00:07:42: Der Vulkan bricht aus und dann kommt das zu explosionsartigen Emotionsausbrüchen, zu
00:07:49: Streit, zu Anschreien und so weiter.
00:07:52: Obwohl das hätte gar nicht sein müssen.
00:08:04: Ich möchte einmal kurz erzählen, warum mir das Thema so wichtig ist und wie ich darauf
00:08:10: gekommen bin.
00:08:10: Also auch schon vor einigen Jahren habe ich ähnlich schon mal ein Konzept gehört, das
00:08:17: Sprache ist, es hieß so Transparenz.
00:08:20: Hast du sicherlich auch schon mal gehört.
00:08:21: Ich bin ab jetzt transparent, ich sage so, was ich denke, was ich fühle, was ich mir wünsche.
00:08:28: Und ich will das Ganze gar nicht so unbedingt an einem Wort hängen.
00:08:33: Ich will damit nur sagen, dass das schon viele Jahre mich begleitet,
00:08:37: dieser Wunsch nach meiner Wahrheit, der Wahrheit, nach meiner Wahrheit, meine Wahrheit auszusprechen.
00:08:44: Und deswegen berührt mich das Ganze so sehr und ich möchte das unbedingt raus in die Welt tragen.
00:08:53: Und ich habe natürlich auch die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mich traue, etwas auszusprechen,
00:08:59: was ich sonst mich nicht getraut habe und ich total Angst davor habe, was dann passiert,
00:09:06: Ablehnung, zurückweisen, verlassen werden oder im schlimmsten Fall sogar Aggressivität
00:09:12: mir gegenüber, dass ich dann, ja, dass derjenige gar nicht begeistert davon ist, in den allermeisten
00:09:20: Fällen trifft das einfach nicht ein. Es passiert genau das Gegenteil. Der andere
00:09:26: ist dankbar, dass er das von dir erfährt, denn wir Menschen haben ja grundsätzlich
00:09:31: das Bedürfnis, wir wollen anderen gefallen. Ich möchte dir gefallen. Das ist
00:09:38: der Grund, warum ich das hier mache. Ich möchte dir gefallen und du möchtest
00:09:45: ist jemand anderes gefallen und was gibt es dann nichts einfacheres für uns, wenn uns
00:09:52: jemand sagt, wie wir ihm gefallen können. Wenn er uns seine Wünsche ausspricht und
00:10:00: sagt, was er toll fänd, dann kann ich ihn mir abgleichen, kann ich das für den anderen
00:10:07: tun und ich kann ihn einfach glücklich machen. Und wenn ich anderen mitteile, was ich für
00:10:15: was ich mir wünsche und was meine Wahrheit ist, dann können andere danach handeln und
00:10:21: mich glücklich machen. Und das doch einfach so, wie ich mir das das erste Mal bewusst
00:10:28: geworden bin, das war so wirklich mindblowing. Also es hat meine Gedanken total überrascht
00:10:35: und das war so ein tierischer Aha-Effekt. Und ein zweiter wichtiger Grund, warum ich
00:10:43: so sehr darauf stehe, ist, dass ich halt keinen innerlichen Druck, kein in mich reinfressen
00:10:49: mehr aufbaue. Denn dieses Zurückhalten und Lügen, das baut einfach nur den massivsten
00:10:56: innerlichen Stress aus. Und Stress ist nicht gut. Das brauche ich dir glaube ich nicht
00:11:03: erzählen. Stress möchte niemand haben. Deswegen kann ich das nur absolut dir ins Herz legen,
00:11:12: darüber nachzudenken, beziehungsweise wirst du wahrscheinlich schon gerade darüber nachdenken, sonst würdest du ja auch nicht mehr zuhören.
00:11:22: Und ich möchte dir eine kleine Aufgabe mitgeben heute, und zwar eine, ja so eine Art Beobachtung, dass du einmal schaust,
00:11:34: Wann, in welchen Situationen halte ich mich zurück im Alltag?
00:11:42: Wann spreche ich nicht das aus, was ich einfach eigentlich denke und aussprechen sollte?
00:11:50: Und beobachte vielleicht einmal, wenn du gefragt wirst, wie war's, wie geht's dir?
00:11:56: Und du sagst so, super, alles gut, mir geht's gut, das Essen war super.
00:12:02: Und dann beginnt sozusagen der erste Schritt darin, nicht jetzt das gleich auszusprechen.
00:12:07: Wenn du das dir traust, super, ich lad dich herzlich dazu ein.
00:12:10: Also go for it.
00:12:12: Ich möchte damit sagen, also mach das.
00:12:15: Und wenn du das noch nicht traust, dann ist der erste Schritt, das einfach erstmal für
00:12:22: dich wahrzunehmen.
00:12:23: Oh, jetzt hab ich gerade gesagt, es ist alles gut, aber das Essen war nicht gut.
00:12:31: Und dann zu beobachten, warum habe ich das jetzt gemacht?
00:12:35: Was hat das Geschäft davon, wenn es denkt, es macht leckeres Essen und ich aber nicht wiederkomme?
00:12:44: Hat es ja nichts von.
00:12:45: Und auf der anderen Seite, was wäre so schlimm daran zu sagen, das war nicht lecker, das Essen war kalt?
00:12:57: Also, du musst es nicht sofort aussprechen, beobachte erstmal nur, was ist das, was ich
00:13:06: eigentlich sagen wollen würde und im nächsten Schritt kann man dann irgendwann dazu hingehen,
00:13:12: das auch auszusprechen.
00:13:15: Also nochmal Zusammenfassung. Wir halten Dinge zurück und sprechen sie nicht aus, um uns zu schützen.
00:13:23: Weil wir gelernt haben, wenn ich so und so handele, wenn ich nicht die Wahrheit ausspreche,
00:13:31: dann habe ich im ersten Moment mal in Anführungsstrichen meine Ruhe.
00:13:35: Ich habe keinen Konflikt. Es passiert kein Streit.
00:13:38: Die Verbindung bleibt, die Freundschaft bleibt zu bestehen.
00:13:41: Aber ist das wirklich eine richtige Freundschaft?
00:13:46: Wenn ich meinen Freund, meine Freundin anlüge und sage, oh ja, ich möchte mich voll gern
00:13:51: mit dir treffen und innerlich möchte ich das eigentlich gar nicht, weil er oder sie
00:13:56: so und so gehandelt hat oder ich einfach nicht mehr auf einer will länger.
00:14:00: Die Gründe sind ja verschiedene.
00:14:07: Dadurch, dass wir halt diese Dinge zurückhalten, entstehen halt auf lange Zeit die Probleme.
00:14:12: Die Beziehung, die Freundschaft fängt an zu kriseln und jeder von beiden merkt, irgendwas
00:14:19: ist nicht mehr so, wie es früher mal war.
00:14:22: Und niemand trotzt sich, es dem anderen auszusagen und auszusprechen.
00:14:26: Und die Einladung heute ist, Ehrlichkeit beginnt nicht mit dem Aussprechen, sondern wirklich
00:14:35: erstmal mit diesem bewussten Wahrnehmen.
00:14:38: Versuch mal diese Woche über bewusst wahrzunehmen.
00:14:41: Wann habe ich zurückgelassen, wann habe ich gelogen oder etwas nicht komplett ehrlich
00:14:51: ausgesprochen.
00:14:53: Wenn du also merkst, dass du dich darin wiedererkennst und ich bin mir ziemlich sicher, also ich
00:15:00: würde mir wünschen für dich, dass du dich nicht darin wiedererkennst, aber ich bin mir
00:15:03: ziemlich sicher, dass du dich darin wiedererkennst, dann beobachte das in den nächsten Tagen
00:15:08: mal bitte.
00:15:11: Ja und um diese Themen und noch viel viel tiefer soll es in diesem Podcast gehen, also
00:15:18: um dieses zentrale Thema der Ehrlichkeit, die eigene Wahrheit auszusprechen.
00:15:25: Im Prinzip ehrlich mit dir und klar im Leben.
00:15:30: Das ist so das Credo, wofür ich hier in meiner Arbeit stehe.
00:15:38: Wenn du bis hierhin zugehört hast, ich danke dir sehr für deine Zeit,
00:15:42: dass du mir zugehört hast, mir zugesehen hast.
00:15:48: Ich bin auch ehrlich mit dir.
00:15:51: Ich bin noch nicht zufrieden.
00:15:54: Ich wäre gerne viel, viel professioneller.
00:15:57: Ich würde gerne fließender sprechen, ohne dass ich die Notizen habe.
00:16:03: Und trotzdem bleibt es genauso, denn das ist ja der Weg, den ich auch gerade gehe.
00:16:11: Also ich möchte auch mit dir so ehrlich sein, deshalb spreche ich das so auf.
00:16:15: Ich merke auch, dass ich verlegen zur Seite gucke, denn ich weiß, wenn ich genau in diese
00:16:20: Linse schaue, dann gucke ich dir ganz tief in die Augen.
00:16:25: Und ja, jetzt mache ich es gerade schon wieder.
00:16:30: Ich schäme mich und möchte das gar nicht.
00:16:36: Ich möchte viel lieber eine Verbindung zu dir haben und ich möchte auch, dass du mich magst.
00:16:47: Das soll es gewesen sein für heute.
00:16:50: Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Feedback bekomme und du findest sicher einen Weg, wenn dir danach ist, mir eins zu hinterlassen.
00:17:01: Bis dann. Bis nächste Woche.
00:17:02: So, bis nächste Woche, denn auch das habe ich mir fest vorgenommen, es kommt jetzt wirklich
00:17:07: jeden Sonntag eine Folge in diesem Podcast raus.
00:17:11: Also freue dich schon auf nächste Woche und denk dran, beobachte, wann habe ich nicht
00:17:17: meine Wahrheit ausgesprochen und dann geht es in den nächsten Wochen weiter, wie wir
00:17:23: den nächsten Schritt gehen können.
00:17:25: Tschüss!
00:17:25: [Abspann]
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